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Religionen

Ägypten ist ein islamischer Staat und der Islam ist Staatsreligion. Hauptquelle der Gesetzgebung ist die Scharia. Man findet jedoch in Kairo und Alexandria (neben der über 80%igen sunnitischen Mehrheit), aber auch in Mittel- und Oberägypten Kopten (12%) und andere christliche Minderheiten. Diese leben nicht selten in überwiegend christlichen Dörfern. Die Religion muss im Pass eingetragen sein. Eine amtliche Zählung der Christen erfolgt jedoch bewusst nicht. Es gibt weiterhin jüdische Gemeinden im Land.

Die Kopten sind besonders in Oberägypten eine christliche Minderheit, deshalb sie Ziel von Terror und Schutzgelderpressungen radikaler Muslime geworden sind (häufig mit Wissen und Billigung der lokalen Behören). Mit staatlichen Zwangsmaßnahmen müssen Muslime rechnen, die zum Christentum übertreten. Neue koptische Kirchen dürfen nicht gebaut werden und auch kleinere Reparaturen benötigen einen Präsidialerlass.

In Alexandria kam es bereits im Oktober 2005 vor einer Kirche zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Kopten, bei denen drei Menschen starben. Aufgrund dessen wurde bei einem offenbar koordinierten Angriff islamischer Extremisten auf koptische Gottesdienste am 14. April 2006 ein Mann christlichen Glaubens getötet, 16 weitere wurden verletzt. Hundert von Muslimen und Christen gingen während des Trauerzuges für den Toten am folgenden Tag mit Schlagstöcken aufeinander los. 43 Menschen wurden dabei verletzt und über 100 festgenommen.

Die Auslegung des Islams ist in Ägypten meist modern und fortschrittlich, insbesondere durch die in der muslimischen Welt führende Al-Azhar-Universität. Andererseits ist Ägypten neben Saudi-Arabien seit Jahrzehnten auch ein Zentrum des islamischen Fundamentalismus. Die Muslimbruderschaft ist dort aktiv. Schon zu Zeiten des 11. September 2001 fanden sich in bin Ladens Terrorgruppe al-Qaida ungewöhnlich viele Ägypter in Führungspositionen. Sie stehen sogar teils bis heute mit an der Spitze. Jedoch ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie ihre einheimischen Wurzeln gekappt haben. Gewalt gegen Westler gibt es in der fundamentalistischen Szene wie etwa in Dahab im April 2006 als Bestandteil eines gerechten Kampfes gegen ein ungerechtes System, einen gottlosen Staat und eine westlich-jüdische Verschwörung gegen den Islam.

   
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